Wer sich für altes niederländisches Silber begeistert, wird früher oder später auf die bemerkenswerte Arbeit des Groninger Silberschmieds Roelof Scheltens stoßen. Er war in der Zeit von 1858 bis 1889 tätig. Dieser Groninger Meister verstand es wie kein anderer, auf die spezifischen Trends und den Sammelwahn des neunzehnten Jahrhunderts einzugehen. Seine Spezialität? Mechanische silberne Miniaturen, detaillierte Apostellöffel und die meisterhafte Handhabung sogenannter Pseudomarken.
In diesem Blog tauchen wir tiefer in die Geschichte dieses Handwerkers, seine einzigartige Arbeitsweise und warum seine Silberarbeiten auch heute noch bei Sammlern begehrt sind.
Die Nachfrage nach historischem Silber im 19. Jahrhundert
Im neunzehnten Jahrhundert entstand unter europäischen und insbesondere englischen Sammlern ein enormer Boom nach historischem Silber aus dem niederländischen Goldenen Zeitalter und dem achtzehnten Jahrhundert. Authentische Stücke aus diesen Perioden waren rar und kostbar. Kluge Silberschmiede wie Scheltens sahen darin eine einzigartige Chance.
Um die steigende Nachfrage zu befriedigen, verwendeten Silberschmiede die alten Gussformen der Amsterdamer Meister des achtzehnten Jahrhunderts wieder. Scheltens goss diese beliebten Objekte und Miniaturen neu ab. Dadurch brachte er qualitativ hochwertige Repliken und Sammlerobjekte auf den Markt, die die Atmosphäre und Raffinesse vergangener Zeiten atmeten, aber technisch aus dem neunzehnten Jahrhundert stammten.
Mechanische Miniaturen und silbernes Spielzeug
Eine der beliebtesten Kategorien im Werk von R. Scheltens sind die silbernen Miniaturen, damals auch als silbernes Spielzeug bezeichnet. Scheltens zeichnete sich durch die Herstellung mechanischer Miniaturen aus: Objekte mit beweglichen Teilen, die oft ein interaktives Element enthielten.
Ein ikonisches Beispiel hierfür ist die
Silberne Miniatur-Hebemühle von R. Scheltens aus der Zeit um 1860. Diese Miniatur, auf einer reich verzierten Grundplatte mit einem Vogel oben platziert, hat große Flügel, die gedreht werden können. Ursprünglich war ein Faden oder eine Schnur um die zentrale Achse gewickelt, so dass man die Schnur durch Drehen aufwickeln oder loslassen konnte.
Ein weiteres seltenes und geniales Stück ist das
Silberne Miniatur der Heiligen Drei Könige von R. Scheltens. Diese Miniatur zeigt die drei Weisen aus dem Morgenland auf einer Grundplatte mit eingraviertem Straßenpflastermotiv. In der Mitte befindet sich ein Mast mit einem großen, achtzackigen Stern von Bethlehem, der über eine Schnur oder ein Kettchen gedreht werden konnte.
Zusätzlich fertigte er Miniaturen im Renaissancestil an, wie die
Silberne Miniatur Tazza, die nach Prunkbechern des siebzehnten Jahrhunderts modelliert wurden.
Das Mysterium der Meistermarke RS2 und der Pseudomarken
Für Sammler und Liebhaber von Punzen ist Scheltens' Silberwerk eine faszinierende Studie. Seine offizielle Meistermarke ist als RS2 registriert. Wenn man ein authentisches Stück aus dem neunzehnten Jahrhundert von ihm untersucht, findet man neben dieser Meistermarke oft die gesetzlichen niederländischen Steuer- und Feingehaltsmarken, wie das bekannte Schwert oder die Steuerpunze des Delfins.
Was seine Arbeit jedoch wirklich besonders macht, ist, dass Scheltens regelmäßig historische Pseudomarken auf sein Silber schlug. Dies tat er sehr bewusst. Indem er seine Silberobjekte, wie einen
Silberner Apostellöffel von R. Scheltens, mit quasi-alten Punzen zu versehen, erhielten die Objekte den Anschein seltenen achtzehnjährigen Silbers. Obwohl dies damals getan wurde, um den kommerziellen Exportwert ins Ausland zu erhöhen, werden diese Pseudomarken heute gerade als legitimes und charmantes historisches Merkmal seiner spezifischen Handwerkskunst geschätzt.
Warum Silber von R. Scheltens sammeln?
Silberarbeiten von R. Scheltens stellen den Schnittpunkt von Nostalgie, Handwerkskunst und Erfindungsreichtum des neunzehnten Jahrhunderts dar. Ob es sich um eine detaillierte
Silberne Miniatur-Stadtwache oder ein reich verzierter Löffel; jedes Stück erzählt die Geschichte eines Groninger Silberschmieds, der die Geschichte nach seinen Vorstellungen zu gestalten wusste. Dank der begrenzten Produktionsperiode (1858-1889) bleiben diese Objekte auf dem Antiquitätenmarkt rar und wertbeständig.
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